FAQ Arbeitsplatz
Dies ist im Sozialgesetzbuch SGB IX § 49 geregelt:
Zur Teilhabe am Arbeitsleben werden die erforderlichen Leistungen erbracht, um die Erwerbsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen oder von Behinderung bedrohter Menschen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen und ihre Teilhabe am Arbeitsleben möglichst auf Dauer zu sichern.
Das bedeutet, dass Sie das Recht haben, Hilfen oder Leistungen zu erhalten, wenn Sie von einer Behinderung betroffen oder von einer Behinderung bedroht sind, damit Sie beispielsweise einen Arbeitsplatz finden oder diesen erhalten können. Dies schließt auch die berufliche Rehabilitation (Ausbildung/Umschulung) mit ein.
Von "Behinderung bedroht" bedeutet, dass es bestimmte Umstände oder Bedingungen gibt, die die Fähigkeit einer Person beeinträchtigen können, erfolgreich im Arbeitsleben zu bestehen. Dies kann aufgrund von physischen, psychischen oder sozialen Barrieren geschehen, die es schwierig machen, die Anforderungen eines Arbeitsplatzes zu erfüllen. Es kann bedeuten, dass zusätzliche Unterstützung oder Anpassungen erforderlich sind, um sicherzustellen, dass die Person erfolgreich arbeiten kann.
Darüber hinaus äußert sich der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Allgemeinen Bemerkung Nr. 8 vom September 2022 zum Recht auf Arbeit und Beschäftigung nach Artikel 27 der UN-BRK und entwickelt Handlungsempfehlungen für die Vertragsstaaten.
Sind Sie aktuell in Arbeit?
Haben Sie eine Schwerbehinderung können Sie auf die Schwerbehindertenvertretung (SBV) zugehen. Sie ist die gewählte Interessenvertretung der Beschäftigten mit Schwerbehinderung. Zu den Aufgaben der SBV gehört es, ihre Teilhabe zu fördern, sie zu beraten, die Einhaltung von Gesetzen und Verträgen zu überwachen sowie eine Inklusionsvereinbarung zu verhandeln. Kernaufgabe der SBV ist es, die Teilhabe von Menschen mit Schwerbehinderung am Arbeitsleben im Betrieb oder in der Dienststelle zu fördern sowie ihnen helfend und beratend zur Seite zu stehen.
Sie können sich auch an den Betriebsrat wenden. Dieser vertritt die Interessen der Beschäftigten im Betrieb und kann stellvertretend für sie mit dem Arbeitgeber verhandeln. Dafür hat er Rechte, die im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) festgeschrieben sind und vom Arbeitgeber nicht ignoriert werden dürfen. Diese Rechte nennt man Mitbestimmungsrechte. Deshalb redet man bei der Arbeit von Betriebsräten auch von betrieblicher Mitbestimmung.
Sind Sie Arbeitssuchend?
Wenn Sie ein Unterstützungsangebot zur Eingliederung in Arbeit und Teilhabe suchen, also derzeit auf der Suche nach einer Arbeit sind, dann sind die Integrationsfachdienste (kurz IFD) eine gute Anlaufstelle.
Integrationsfachdienste können für eine grundlegende Beratung herangezogen werden. Sie können ohne weitere Voraussetzungen einen Termin erhalten.
Integrationsfachdienste wissen zudem über die unterschiedlichen Unterstützungsangebote zur Teilhabe am Arbeitsleben Bescheid.
Manchmal ist es gar nicht leicht, Vorgesetzten und Kolleg:innen Autismus zu erklären. Allzu häufig ist deren Vorwissen durch Filme verzerrt oder von Falschinformationen geprägt. Zudem sind nicht alle Autist:innen gleich.
Was können Sie tun, um das Wissen über Autismus bei Kolleg:innen und Vorgesetzten zu erweitern?
Weisen Sie auf die Seite www.autismusundarbeit.de hin. Hier gibt es bereits viele Informationen für Arbeitgebende.
Zudem haben Sie die Möglichkeit, Informationsmaterialien herunterzuladen und/oder diese Ihren Vorgesetzten oder Ihren Kolleg:innen zu zeigen.
Verweisen Sie auf den Erklärfilm zum Thema Autismus. Dieser wurde gemeinsam mit dem Projekt AUT*CIA durch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) e.V. erstellt.
Verweisen Sie je nach Thematik auf folgende Erklärvideos, die im Rahmen des Projekts AUT*CIA auf Grundlage unserer Forschung entstanden sind.
Literatur:
Proft, J., Schoos, T., Krämer, K., Vogeley, K. (2017). Autismus im Beruf. Coaching-Manual. Beltz Verlag.
Oft ist es gar nicht so einfach, das anzusprechen, was man bräuchte, um ein angenehmes Arbeitsumfeld oder eine gute Arbeitsatmosphäre zu haben.
Was könnte dabei hilfreich sein?
Gestalten Sie ein Poster für Ihre Bürotür mit Hinweisen, worauf bei Ihnen im Arbeitsalltag besonders zu achten ist. Beispiel: Katharina Müller hat als Autistin folgendes Poster entworfen, um ihren Vorgesetzten und Kolleg:innen klare Hinweise zu geben, was sie im beruflichen Alltag braucht. Das Poster hängt nun an ihrer Bürotür. Laut Katharina Müller sei es wichtig, selbst herauszufinden was helfen könne, nur zu sagen was nicht funktioniere, führe ihrer Erfahrung nach zu keiner Verbesserung. Sie möchte andere Autist:innen ermutigen, klar zu äußern, was sie brauchen, und dies offen und selbstbewusst zu kommunizieren.
Erstellen Sie eine Visitenkarte mit Ihren Stärken und den für sie förderlichen Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz. Diese können Sie bei Vorstellungsgesprächen oder Teamwechseln leicht ausgeben.
Fügen Sie in Ihrer E-Mail-Signatur 1-2 Hinweise hinzu, worauf man besonders achten sollte (z. B. der Hinweis "Anrede gerne per Du“). Je kürzer der Hinweis, desto besser wird dieser wahrgenommen.
Erstellen Sie einen Notfallplan, den Sie ausgedruckt bei einem Overload/Meltdown an andere aushändigen können (z. B. kurz erklären, was mit Ihnen los ist, was Sie jetzt benötigen --> Ruhe, Glas Wasser, ruhiger Raum, etc.)
Nutzen Sie, sofern möglich, technischen Hilfsmittel (z. B. Noise-Cancelling-Kopfhörer bei Lautstärke, Rollos bei blendendem Tageslicht).
Nehmen Sie Kontakt zu Ihren Inklusionsbeauftragen im Betrieb auf.
"Inklusionsbeauftragte sind in Betrieben und Dienststellen dafür zuständig, Arbeitgebern in Angelegenheiten von Menschen mit Schwerbehinderung verantwortlich zu vertreten. Sie unterstützen und kontrollieren Arbeitgebende bei der Einhaltung ihrer gesetzlichen Verpflichtungen." (https://www.bih.de/integrationsaemter/medien-und-publikationen/fachlexikon/detail/inklusionsbeauftragter)
Nehmen Sie Kontakt auf zur Schwerbehindertenvertretung.
"Die Schwerbehindertenvertretung (SBV) ist die gewählte Interessenvertretung der Beschäftigten mit Schwerbehinderung. Zu den Aufgaben der SBV gehört es, ihre Teilhabe zu fördern, sie zu beraten, die Einhaltung von Gesetzen und Verträgen zu überwachen sowie eine Inklusionsvereinbarung zu verhandeln." (https://www.bih.de/integrationsaemter/medien-und-publikationen/fachlexikon/detail/schwerbehindertenvertretung/)
Nutzen Sie Notfallkarte oder Buttons, die klare Anweisungen für anderen Personen enthalten, was Sie in besonderen Belastungssituationen benötigen. Aspies e.V. hat für Meltdowns und Overloads spezielle Notfallkarten und Buttons entwickelt. Die Notfallkarten können selbst ausgefüllt werden. In einer schwierigen Situation können Sie diese Ihren Kolleg:innen etc. vorlegen, ohne kommunizieren zu müssen.
Damit diese Ideen gut umsetzbar sind, wäre es wichtig, dass Vertreter:innen auch genügend Informationen zum Thema Autismus haben, um Sie adäquat unterstützen zu können. Dazu wurde gemeinsam mit dem Projekt AUT*CIA durch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) e.V. folgendes Video erstellt: https://www.bih.de/bih/aktuelle-meldungen/detail/autismus-im-beruf-neuer-bih-erklaerfilm.
Auch wurden die ersten Autismus-Schulungen für Schwerbehintertenvertretungen und Inklusionsbeauftragte (bisher nur in Bayern ab 2025) durch die Zusammenarbeit mit dem Projekt AUT*CIA ins Leben gerufen. Verweisen Sie gerne darauf.
Der Integrationsfachdienst (IFD) ist auch dafür da, Ihre Kolleg:innen und Ihre Vorgesetzten, bei Fragen zu Ihrem Arbeitsplatz zu beraten. Erfragen Sie gerne die Möglichkeiten durch den Integrationsfachdienst in Ihrer Nähe. Hier finden sie Ihren IFD.
Haben Sie im Unternehmen eine Person Ihres Vertrauens?
Es kann hilfreich sein, wenn eine Vertrauensperson (Work-Buddy) im Unternehmen über Ihre Diagnose, Ihre Schwierigkeiten, Fähigkeiten und Unterstützungsbedarfe Bescheid weiß. (Sehen Sie dazu auch unseren Erklärfilm "Dolmetschende sind manchmal wichtig" an oder "Erklärfilm Autismus und Beruf der BIH")
Sollte es Konflikte oder Probleme mit Vorgesetzten oder Kolleg:innen geben, wäre die Person Ihres Vertrauens Ihre Übersetzerin bzw. Ihr Übersetzer. Diese Person könnte Ihnen die Situation erklären und gemeinsam mit Ihnen Lösungsmöglichkeiten besprechen.
Sie könnten die Person Ihres Vertrauens auch bitten, in Problemsituationen, bei Missverständnissen oder in Situationen, in denen Sie nicht wissen, was zu tun ist, zu vermitteln.
Sofern Sie im Unternehmen keine Person Ihres Vertrauens finden, wäre auch ein externer Ansprechpartner/Vermittler/Übersetzer sehr hilfreich. Möglicherweise kann Ihnen diese Person die Situation gut erklären, auch wenn sie selbst nicht dabei war. Sie haben auch die Möglichkeit, mit dieser Person einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten, der Ihnen hilft, eigenständig die Situation zu klären und das Missverständnis zu beseitigen. Falls Sie einen externen Unterstützer benötigen, wenden Sie sich an an Autismuskompetenzzentren oder Integrationsfachdienste. Auch diese Stellen können Sie gut unterstützen.
Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen auf ihrem beruflichen Weg sind vielfältig und individuell anpassbar. Zu den zentralen Angeboten zählen die Unterstützte Beschäftigung (UB), die Integrationsfachdienste (IFD), die Arbeitsassistenz, Maßnahmen zur beruflichen Befähigung sowie der Einsatz eines Jobcoaches.
Wenn Sie ein Unterstützungsangebot zur Eingliederung in Arbeit und Teilhabe suchen, also derzeit auf der Suche nach einer Arbeitsstelle sind, dann sind hierzu Integrationsfachdienste (kurz IFD) eine gute Anlaufstelle. Integrationsfachdienste können für eine grundlegende Beratung herangezogen werden. Sie können ohne weitere Voraussetzungen einen Termin erhalten. Integrationsfachdienste wissen zudem über die unterschiedlichen Unterstützungsangebote zur Teilhabe am Arbeitsleben Bescheid. Siehe auch dazu die FAQ zu Integrationsfachdiensten. Eine Beratung ist immer kostenlos.
Mit dem folgenden Link finden sie einen IFD in ihrer Nähe:
Ein Jobcoach kann ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen, indem er beispielsweise Bewerber:innen bei Vorstellungsgesprächen begleitet und dort unterstützt. Der Begriff „Jobcoach“ hat inzwischen auch rechtlich an Bedeutung gewonnen und ist als Stichwort in gesetzliche Regelungen eingeflossen. Die Finanzierung eines Jobcoaches ist unter anderem über das Persönliche Budget möglich, was den Betroffenen ein hohes Maß an Flexibilität und Selbstbestimmung ermöglicht.
Um die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Jobcoaches weiter zu verbessern, wird die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) ab dem ersten Quartal 2025 Empfehlungen zu Leistungsbeschreibungen für Jobcoaches veröffentlichen. Diese sollen die Inanspruchnahme der Unterstützung weiter vereinfachen und strukturieren, um Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen gleichermaßen Orientierung zu bieten.
Eine weitere Möglichkeit ist der Weg über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS), den Sie in der Regel bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter erhalten. Hierbei handelt es sich um eine „finanzielle Förderung für Arbeitsuchende, um den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern“ (ifm-business.de).
Das Ticken einer Uhr, die Lüftung des Computers, Lärm, grelles oder flackerndes Licht, Temperatur, Gerüche, Düfte, das Raumklima oder Ähnliches – all das kann die Konzentrationsfähigkeit und Arbeitsleistung von Autist:innen stark beeinträchtigen.
Bei autistischen Menschen werden Reize häufig anders verarbeitet und oft viel intensiver wahrgenommen als von nicht-autistischen Menschen. Die sensorischen Besonderheiten sind individuell vielfältig und können sich in einer Über- oder Unterempfindlichkeit äußern. Düfte, die für nicht-autistische Menschen angenehm wirken, können für autistische Menschen beispielsweise belastend sein.
Eine autistische Interviewteilnehmerin im Projekt AUT*CIA berichtete, dass sie erst nach ihrer Autismus-Diagnose bemerkte, dass nur sie die Lüftung des Computers sehr störte, während andere dies überhaupt nicht wahrnahmen. Dies habe ihre Arbeitsleistung beeinträchtigt. Seitdem besitzt sie eine Schallisolierung für den Computer.
Ein Gespräch mit Ihrer Führungskraft über die notwendigen Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz kann daher sinnvoll sein, um individuelle Bedürfnisse zu besprechen und optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Nutzen Sie dazu auch gerne unsen Erklärfilm: "Äußere Reize sind häufig sehr belastend".
Exkurs:
Autismus ist durch eine große Heterogenität gekennzeichnet, was bedeutet, dass sich unterschiedliche Schwierigkeiten, aber auch Fähigkeiten bei Autist:innen zeigen. Bei vielen Autist:innen ist eine Reizfilterschwäche vorhanden. Diese kann in Verhaltenshyporeaktivität (z. B. fehlende Reaktion auf menschliche Sprache, laute Geräusche und Schmerzen) und Hyperreaktivität (z. B. erhöhte Empfindlichkeit, Unruhe oder Verzweiflung als Reaktion auf auf bestimmte Kleidungs- oder Nahrungsmittelstrukturen oder auf Alltagsgeräusche) eingeteilt werden (Liss et al., 2006; Lydon et al., 2016). Viele Autist:innen berichten, dass Reize von außen viel intensiver wahrgenommen werden als bei Personen ohne eine Autismus-Diagnose.
Literatur:
Liss, M., Saulnier, C., Fein, D., & Kinsbourne, M. (2006). Sensory and attention abnormalities in autistic spectrum disorders. Autism, 10(2), 155-172.
Lydon, S., Healy, O., Reed, P., Mulhern, T., Hughes, B. M., & Goodwin, M. S. (2016). A systematic review of physiological reactivity to stimuli in autism. Developmental neurorehabilitation, 19(6), 335-355.
Für Autist:innen ist es schwer, alle Wege der sozialen Kommunikation richtig zu deuten und auszusenden. Das betrifft Gesichtsausdrücke, Körpersprache, aber auch die Stimmlage. Deshalb fällt es ihnen schwer, Emotionen zu erkennen oder Ironie zu verstehen. Manche Autist:innen können ihre Schwierigkeiten gut überdecken und wirken auf andere unauffällig. Dieses Verhalten nennt man „Camouflaging“. Das bedeutet, dass sie sich nicht so verhalten, wie sie es eigentlich gerne tun würden, sondern ganz bewusst Verhaltensweisen einstudiert haben. Diese einzusetzen, kostet viel Energie. Deshalb erleben Autist:innen Gespräche, vor allem Small Talk, nicht als entspannte Situation, sondern als zusätzliche Arbeit, da es ein hohes Maß an Konzentration erfordert.
Zu Camouflaging gehören laut einer Studie von Laura Hull und Kolleg:innen aus dem Jahr 2017 zwei Hauptstrategien: Kompensation („Ich habe Blickkontakt sowie passende Gestik und Mimik trainiert, um in sozialen Situationen nicht aufzufallen.“) und Maskieren („Ich verstecke mein autistisches Verhalten, indem ich andere imitiere oder Charaktere aus Filmen nachspiele.“). Diese Verhaltensweisen sind in der Regel sehr belastend und anstrengend und können kurzfristig zu Erschöpfung und langfristig sogar zu chronischen Erkrankungen führen. Als Grund für Camouflaging wird der Wunsch genannt, mit den Mitmenschen zu verschmelzen („Ich möchte keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen und wie alle anderen wirken“, Hull et al., 2017). Autistische Frauen greifen häufiger auf Camouflaging zurück als Männer. Dies wird in Forscherkreisen unter anderem als ein Grund genannt, warum Mädchen und Frauen häufig später und seltener eine Autismusdiagnose erhalten.
Was können Sie tun?
Fragen Sie eine Person Ihres Vertrauens, wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Missverständnis mit einem Teammitglied vorliegt oder Sie das Verhalten anderer Menschen nicht richtig verstanden haben.
Fragen Sie die Person Ihres Vertrauens oder im Kollegenkreis, welches Verhalten in einer bestimmten Situation üblich ist oder von Ihnen erwartet wird.
Klären Sie Ihre Kolleg:innen zum Thema Autismus und Camouflaging auf. Erklären Sie, wie viel Anstregung und Energie es Sie kostet, "unauffällig" zu wirken. Es hilfreich sein, aufzuzeigen, dass Sie ohne Camouflaging mehr Energie für Ihre Arbeit übrig haben.
Bedenken Sie, wenn Sie viel Camouflaging einsetzen, es für nicht-autistische Personen nicht einschätzbar ist, wenn es Ihnen einmal nicht so gut gelingt. Das bedeutet, wenn Sie an einem Tag keine Energie mehr für die Camouflaging-Strategien haben und weniger angepasst reagieren als sonst, ist dieses Verhalten für andere nur schwer nachvollziehbar . Wenn Sie jedoch häufiger so reagieren, wie Sie sich wirklich fühlen, ist Ihr Verhalten für Ihre Kolleg:innen schlüssiger. Außerdem fühlen Sie sich besser, wenn Sie sich nicht so häufig verstellen müssen. Eine Aufklärung über Ihre Autismusdiagnose kann hilfreich sein.
Versuchen Sie im Arbeitsalltag, Situationen zu schaffen, in denen Sie sich nicht verstellen müssen. Zum Beispiel, wenn es Ihnen schwerfällt, Blickkontakt zu halten, können Sie Ihren Kolleg:innen erklären, dass Sie sich nur schwer auf das Gesagte konzentrieren können, wenn Sie Blickkontakt halten müssen. Erläutern Sie, dass Sie aktiv zuhören, aber jeglicher Blickkontakt die Aufmerksamkeitsleistung beeinträchtigt.
Fragen Sie Ihre Führungskraft, ob Sie an Firmenfesten, Geburtstagen etc. früher gehen dürfen oder fernbleiben können, weil dies für Sie besonders anstrengend ist.
Manchmal kann Homeoffice eine Entlastung bieten. Fragen sie Ihre Führungskraft, ob dies entweder regelmäßig oder bei Bedarf möglich wäre.
Nutzen Sie gerne unseren kurzen Erklärfilm: "Nicht aufzufallen kostet viel Kraft".
Literatur:
Hull, L., Petrides, K. V., Allison, C., Smith, P., Baron-Cohen, S., Lai, M. C., & Mandy, W. (2017). “Putting on my best normal”: Social camouflaging in adults with autism spectrum conditions. Journal of autism and developmental disorders, 47, 2519-2534.
Wie genau eine Bewerbung aussehen sollte und was Sie beachten müssen, können Sie zum Beispiel auf der Webseite www.karrierebibel.de oder auf der Seite der Agentur für Arbeit finden. Dort finden Sie auch hilfreiche Tipps rund um das Thema Bewerbung und Vorstellungsgespräche, wenn Sie die Suchfunktion nutzen.
Hilfreiche Hinweise zum Thema Autist:innen im Berufsleben können Sie auch folgenden Büchern entnehmen:
Segar, M. (1997). Coping: A survival guide for People with Asperger Syndrome. Abgerufen am 07.10.2024 unter https://www-users.york.ac.uk/~ade1/survival/survival.pdf
Simone, R. (2016). Asperger im Berufsleben: Unverzichtbare Ratschläge für Menschen mit Asperger, ihren Arbeitgeber*innen, Pädagog*innen und Therapeut*innen. Autismusverlag.
Attwood, T., Garnett, M. (2024). Mit Asperger-Syndrom im Job zufrieden und erfolgreich sein - Das 7-Schritte-Programm für Menschen im Autismus-Spektrum. Trias Verlag.
Blodig, I. (2016). Hochfunktionaler Autismus im Beruf- Navigationshilfe durch die Arbeitswelt. Jungerfmann Verlag: Paderborn.
Das Bewerbungsanscheiben:
Sollten Sie Schwierigkeiten mit Bewerbungsgesprächen haben, könnten Sie im Bewerbungsschreiben auch eine Probearbeitswoche anbieten.
Sollte Ihnen besonder der Smalltalk im Bewerbungsgespräch Schwierigkeiten bereiten, könnten Sie in das Anschreiben aufnehmen, dass nur fachliche Themen angesprochen werden sollten und dies mit der Autismus Diagnose begründen.
Die Angabe der Autismusdiagnose im Bewerbungsanschreiben kann in einzelnen Unternehmen dazu führen, dass Sie nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Dies wurde teilweise von Arbeitgebern in der qualitativen Erhebung des Forschungsprojekts AUT-1A bestätigt. Gleichzeitig sollten Sie sich jedoch auch kritisch fragen, ob Sie in einem solchen Unternehmen überhaupt arbeiten möchten.
Einladung zum Bewerbungsgespräch:
Sie könnten beispielsweise in Ihrem Schreiben erwähnen, dass Sie eine Vertrauensperson als 'Übersetzer:in' zu Ihrem Vorstellungsgespräch mitnehmen möchten (z. B. Eltern, Partner:in, Freunde oder eine Person vom Integrationsfachdienst). Dies kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden. Es ist ratsam, das Schreiben von einer weiteren Person Ihres Vertrauens gegenlesen zu lassen, bevor Sie es an das Unternehmen senden. So können Sie sicherstellen, dass ein bereits vereinbartes Bewerbungsgespräch nicht abgesagt wird. Zudem hat das Unternehmen die Möglichkeit, sich besser auf das Gespräch vorzubereiten und gegebenenfalls die Schwerbehindertenvertretung hinzuzuziehen.
Im Bewerbungsgespräch:
Generell ist es sinnvoll, ein Stärkenprofil zu erstellen und dieses entweder bereits im Anschreiben oder im Verlauf des Bewerbungsprozesses vorzulegen. In diesem Profil können Sie nicht nur angeben, welche Aufgaben Ihnen leicht fallen, sondern auch, welche Rahmenbedingungen Sie benötigen, um diese erfolgreich zu bewältigen.
Wenn Sie auch auf Ihre Schwächen eingehen möchten, beispielsweise dass Ihnen das Telefonieren schwerfällt, wäre es ratsam, dem Unternehmen eine Lösung anzubieten. Zum Beispiel könnten Sie vorschlagen, dass Sie zusätzliche Aufgaben übernehmen, während eine Kollegin oder ein Kollege die Telefonate übernimmt.
Es ist oft hilfreich, solche Themen im Vorfeld mit einer Person Ihres Vertrauens zu besprechen. Falls Sie niemanden haben, der Ihnen dabei helfen kann, sind der Integrationsfachdienst (IFD) oder ein Autismuskompetenzzentrum gute Anlaufstellen.
Rudy Simone (2016) stellt in ihrem Buch fest, dass die REACCH Formel die Chancen auf Erfolg im Beruf erhöht.
"Richtige Diagnose erhalten, Erwerb eigener Kenntnisse über ASS, Anerkennung der Auswirkungen des Asperger-Syndroms auf das eigene Leben, Verbindlichkeit in der Beziehung und die Suche nach Hilfe".
Vielleicht hilft es Ihnen sich in Literatur von Autist:innen einzulesen. Z. B. Segar (2023)
"In einem Vorstellungsgespräch ist die Körpersprache besonders wichtig und man sollte selbstbewusst und entspannt wirken. Man wird von Dir erwarten, dass du ruhig dasitzt mit den Armen an Deiner Seite oder auf Deinem Schoß und einer guten Haltung, was für Dich vielleicht etwas anstrengend ist. Man wird erwarten, dass Du deutlich und versiert sprichst. Der erste Eindruck ist sehr wichtig. Bereite möglichst viele Antworten auf möglichst viele Fragen vor, aber übertreibe die Vorbereitung auch nicht und bleibe bei den Antworten flexibel. Für die Vorbereitung ist es immer gut, wenn Dir jemand dabei hilft. Sei Dir Deiner Fähigkeiten und Talente bewusst." (Segar, 2023)
Link zu Aspiana "Jobs und Vorstellungsgespräche - eine Übersetzung.
Hierfür gibt es keine „richtige Antwort“, aber folgende Hilfestellungen könnten nützlich sein: Sprechen Sie mit jemandem darüber. Das kann eine enge, vertraute Person sein, wie ein Familienmitglied, ein Freund, ein Kollege, die Schwerbehindertenvertretung, ein:e Therapeut:in oder ein Arzt/eine Ärztin. Auch der Integrationsfachdienst kann Unterstützung bieten.
Folgende Fragen können ebenfalls hilfreich sein:
Möchten Sie einen Arbeitsplatz, an dem Sie sich nicht"verstellen" müssen?
Wünschen Sie sich ein Unternehmen, in dem Sie offen mit Ihren Vorgesetzten über Ihre besonderen Bedürfnisse oder Rahmenbedingungen (z. B. einen geeigneten Arbeitsplatz oder passende Pausenzeiten) sprechen können?
Welche Stärken bringen Sie mit, und was benötigen Sie von Ihrem Arbeitgeber, um diese bestmöglich im Arbeitsleben einzubringen?
Es gibt keine universelle Antwort auf die Frage, wann der beste Zeitpunkt für ein Outing ist. Wir möchten Ihnen jedoch einige Aspekte an die Hand geben, die Ihnen helfen können, den für Sie passenden Moment zu finden.
1. Auting vor oder im Bewerbungsanscheiben
Wenn Sie Ihre Diagnose bereits im Bewerbungsschreiben erwähnen, kann die Schwerbehindertenvertretung des Unternehmens, sofern vorhanden, beim Gespräch anwesend sein.
Alternativ könnte Ihnen eine Probearbeitswoche angeboten werden. In Ihrem Anschreiben könnten Sie auch anmerken, dass Sie bevorzugen, nur über fachliche Themen zu sprechen.
Beachten Sie jedoch, dass dies möglicherweise Ihre Einladung zum Gespräch beeinflussen könnte.
2. Auting nach der Einladung zum Bewerbungsgespräch
Nach der Einladung haben Sie die Möglichkeit, das Unternehmen zu kontaktieren. Bedanken Sie sich für die Einladung und teilen Sie mit, dass Sie Autist:in sind. Heben Sie in dem Schreiben Ihre Stärken hervor und erläutern Sie, welche Unterstützung Ihnen im Gespräch helfen könnte, z.B. die Begleitung einer Vertrauensperson als Übersetzende, um Missverständnisse zu vermeiden.
Lassen Sie Ihr Schreiben von jemandem Ihres Vertrauens überprüfen, um Missverständnisse zu vermeiden.
Damit können Sie vermeiden, dass ein bereits vereinbartes Bewerbungsgespräch abgesagt wird. Das Unternehmen kann sich besser auf das Gespräch vorbereiten und beispielsweise die Schwerbehindertenvertretung hinzuziehen.
3. Auting im Bewerbungsgespräch
Wenn Sie sich entscheiden, erst im Gespräch zu outen, können Sie Ihre Stärken und die Rahmenbedingungen, die Ihnen helfen, bestmöglich zu arbeiten, erläutern. Bitten Sie darum, über fachliche Themen zu sprechen, und erklären Sie, dass Ihnen Smalltalk schwerfällt. Ein Stärkenprofil kann Ihnen helfen, Ihre Fähigkeiten klar zu kommunizieren.
Fazit
Generell ist es sinnvoll, ein Stärkenprofil zu erstellen und dieses entweder bereits im Anschreiben oder im Verlauf des Bewerbungsprozesses vorzulegen. Darin können Sie nicht nur angeben, welche Aufgaben Ihnen leichtfallen, sondern auch, welche Rahmenbedingungen Sie benötigen, um diese gut bewältigen zu können. Sofern Sie auch auf Ihre Schwächen eingehen möchten, beispielsweise dass Ihnen das Telefonieren schwerfällt, wäre es ratsam, eine Lösungsmöglichkeit für das Unternehmen anzubieten (z. B. dass Sie gerne zusätzliche Aufgaben übernehmen, wenn Sie nicht telefonieren müssen). Es ist oft hilfreich, dies im Vorfeld mit einer Person Ihres Vertrauens zu besprechen. Falls Sie niemanden Geeigneten haben, wäre auch der Integrationsfachdienst (IFD) oder ein Autismuskompetenzzentrum eine gute Anlaufstelle.

